Karezza

Ich würd hier gern mal etwas schreiben zu Sexualität und die Liebe zur Geometrie:

Zuerst ein kleines Rätsel: efltausendelfhundertelf, wie viele Einer hat das? Da muss man eine Weile studieren: 3 Elfer , das macht 6 Einer. Ja, aber nein! Es ist ja eine 5-stellige Zahl. Kann ja nicht 6 Einer haben.

Das reizt eim!! In dem Moment ist man mental engagiert. „Jetzt will ich es aber wissen!!“ Man bleibt geistig daran hängen. Wenn man dann das Rätsel gelöst hat, dann reizt es eim nicht mehr. Dann kommt man dann draus. Dann ist die Spannung vorbei. Dann kann man sich entspannen. Sobald man über eine Sache lang und breit nachgedacht und ausprobiert hat, wenn man quasi Spezialist geworden ist, dann fesselt es einen nicht mehr.  Man steht drüber. Man kommt draus. Man hat den vollständigen Durchblick. Man ist frei.

Bei diesem Rätsel da oben ist das schnell möglich. Beim Sex nicht.
Aber es ist unsere Aufgabe als Menschen, auch beim Sex dahin zu kommen, dass man drüber steht, dass man draus kommt. So lange ein Thema so seltsam tabu-behaftet ist, wie Sex, hätten wir Grund uns noch mehr Gedanken darüber zu machen. Ein Budda hat Sex hinter sich. Er ist frei. Es fesselt ihn nicht mehr. Er hat den Durchblick. Viele Menschen geben sich und den Menschen das Gefühl, sie wären auch so weit, sie hätten den Sex auch hinter sich. Es würde ihnen nichts mehr bedeuten. Das ist aber ein Irrtum.

Sex ist eine Lebensaufgabe. Wir sollten vorankommen in diesem Thema, das in unserer alltäglichen Kommunikation kein Thema ist – tabu, alles klar. Der Mann sollte nicht nur eindringen in die Frau, sondern beide sollten eindringen in dieses Thema.

In der sexuellen Praxis spielt die Bewegung meist ein grosse Rolle, das verstehende Eindringen oder sich Einfühlen eher weniger. Hier kommt die Geometrie ins Spiel. Bei Emma Kunz kommt ein Bild von Frau und Mann immer wieder vor:

Ich habe versucht, dieses Bild nachzuzeichnen:

Bei uns Menschen geht der Rumpf etwa von den Schultern bis zum Hüftgelenk. Emma Kunz, oder die geistigen Welten, welche sie inspiriert haben, stellten diesen Rumpf quadratisch dar. Dadurch konnten sie Frau und Mann rechtwinklig anordnen. Und wenn Frau und Mann rot und blau dargestellt werden, dann ist die Überdeckungsfläche violett. Da kommt einem das Wort von Paulus in den Sinn, der sagte, dass Frau und Mann ein Leib seien.

Tschuldigung: in den Neuziger-Jahren gab’s eine Bewegung, die sagte: „Es gibt überhaupt keinen wesensmässigen Unterschied zwischen Frau und Mann. Das ist alles gesellschaftlich antrainiert. Psychisch sind Frau und Mann von Natur aus gleich!“. Wenn die Frau horizontal und der Mann senkrecht dargestellt werden, dann ist das natürlich eine ganz andere Auffassung. Dieser gehen wir hier nach.

Auf dem Papier kann man also die beiden so denken, fühlen und anordnen. In der sexuellen Praxis könnte man etwas Ähnliches machen, ich habe dem Diagonal- oder Kreuzstellung gesagt. Fredi, ein befreundeter Künstler ( www.vogel-karikatur.ch ) hat mir diese Zeichnung gemacht.

Diese Stellung hat Vorteile: Man könnte jede Hektik loslassen, keine Bewegung. Nur fühlen, die Begeisterung fühlen, keine Steigerung der sexuellen Erregung.  Wenn die beiden jung sind, können sie vielleicht 30 – 40 Minuten so liegen. Wenn sie schon viele Jahre verheiratet sind, muss der Mann sich wohl bald bewegen, damit die Erektion nicht zurück geht.
Baghwan/Osho hat auch so etwas empfohlen: Die Frau könnte sich auf den Mann legen, den Penis hineinnehmen und erst wenn – wegen dem Gewicht der Frau – die Erektion zurück geht, müssen sie die Stellung verändern. Bei dieser Stellung hier spielt das Gewicht der Frau keine Rolle. Und der Mann kann zwischendurch auch den Oberschenkel der Frau vor seinen Bauch und seine Brust nehmen und ganz fest umarmen, sich daran festhalten, wie er es als Zweijähriger mit dem Oberschenkel der Mutter gemacht hat.
Etwa um 1840 herum gab es in den USA eine geheime Bewegung. Sie nannte sich „männliche Enthaltsamkeit“. Etwa 1916 schrieb ein Kalifornier (William Lloyd) ein Buch zu genau dieser Thematik und Werner Zimmermann, der geistige Führer der Reform-Bewegung übersetzte es 1929 ins Deutsche. Es heisst „Karezza Praxis“.
Für alle Menschen die diese Kombination von geistiger Arbeit mit Lust interessiert, zum Beispiel die FKK-Leute könnte dieses kleine Buch und diese Stellung eine Hilfe sein.
Ich habe es vor Kurzem bei Amazon antiquarisch gekauft.

Noch etwas ganz anderes: Vor sechzig Jahren gab es in den USA zwei Psychologen (Bach und Wyden) die Ehe-Streit-Trainings anboten. Das Buch heisst „Streiten verbindet“ Dort wird sogar empfohlen auch beim Sex weiter zu streiten. Diese Stellung wäre vielleicht auch ein gutes Experimentierfeld, unausgetragene Konflikte weiterzutreiben. Ein ungewohnter Gedanke, aber man könnte ja mal darüber nachdenken.
                                            Am längsten Tag 2025      Johannes